Aus dem Staub

Klaus Merz
«Aus dem Staub»
Haymon-Verlag, 2010
Leineneinband, 84 Seiten
ISBN 9783852185682
07.01.2011BETTINA SPOERRI
«Der Widerstand / gegen die Ausführlichkeit / wächst weiter.», heisst es in einem dieser Gedichte von Klaus Merz, und das klingt wie das Programm dieses Bandes – und überhaupt des Schreibens dieses Meisters konzentrierter Formen. In dem Gedichtband beweist Klaus Merz einmal mehr, wie er mit wenigen Worten eine Stimmung evozieren, eine ganze Geschichte erzählen kann. Einmal ist das ein Pullover und das dazugehörige, «erloschne» Gesicht, ein Besuch in der Pinakothek, die Eintönigkeit des Lebens einer Witwe, die sonntags ihrem Hang zum Kitsch nachgibt, die Erinnerung an die erzählende Grossmutter, mit der man in «Wunderschuhen» «über alle Berge» davon zieht, eine zarte Liebeserklärung an «S.», deren Stimme wiedererkannt wird, «noch bevor sie / mich ruft» oder das Bild mit zwei Lesenden: «Unter wärmenden Decken / ruhen im Garten zwei / Lesende, reifen.» Diese reifende Wirkung hat auch die Lektüre von Klaus Merz‘ Texten. «Aus dem Staub» sind Gedichte, die bescheiden und karg daherkommen und einen aber meist mitten ins Herz treffen, und die Empfindlichkeit, die der Autor aus scheinbar banalen Situationen bis zu ihrem Kern herausschält, schärfen das Auge – und die Sinne.
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