Gegengabe

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09.11.2009BETTINA SPOERRI

Seien es luzide Reflexionen über das Lesen und den Wandel im Literaturmarkt, genaue Erörterungen über Texte von Samuel Beckett oder aber von russischen Autorinnen und Autoren: Im neuen Buch von Felix Philipp Ingold wird man als Lesender und Mitdenkende überreich beschenkt. Persönliches und Universelles, Lesen und Schreiben lassen sich hier nicht mehr gegeneinander abgrenzen, sondern sind in eine grosse, gemeinsame Bewegung einbezogen. Der Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Übersetzer denkt in «Gegengabe» – der Titel verweist auf das lebendige Wechselspiel zwischen Aufnehmen, Aneignen und Wieder-Geben – etwa über poetisches «Sprachdesign» nach, präsentiert neben und zwischen Aufsätzen zu Maurice Blanchot oder Erinnerungen an Begegnungen mit Elias Canetti ausgewählte Gedichte (eigene und die anderer), und beigestellt sind den Texten seine Fotografien, die scheinbar vertraute Details beobachten und fremd wieder in den Augen der Betrachter erstehen lassen. Bei Ingold ist Lektüre ein höchst kreativer Vorgang – und wer in seiner «Gegengabe» liest, dem wird diese Erfahrung noch einmal in besonderem Masse zuteil.

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