Vorspiel
Eine Jugend – ein Bühnenleben

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Im damaligen Zürcher Stadttheater, das seit langem schon Opernhaus heisst, hat Pinkas Braun als Schüler zum ersten Mal eine Theateraufführung erlebt. Das Erlebnis war so stark, so prägend, dass der Schüler von damals den Entschluss fasst, Schauspieler zu werden, was seine Eltern mit einem Lachen quittieren. Im Schauspielhaus am Pfauen sieht Pinkas Braun etwas später zum ersten Mal, wie ein Theater hinter den Kulissen aussieht, hier hat er auch seine ersten Auftritte als Statist und später Schauspieler und Mitglied des Ensembles. Im Sihlfeldquartier, auf der Höhe zwischen Kalkbreite und Lochergut ist Braun aufgewachsen. «Vorspiel. Eine Jugend – ein Bühnenleben» sind die Lebenserinnerungen eines Schauspielers, der als Staatenloser in Zürich geboren wurde, der sich als ein Schweizer fühlte und gleichzeitig als ein Fremder erlebte. Seine Jugend stand unter dem Zeichen der nazideutschen Bedrohung, unter dem wachsenden Antisemitismus der Fröntler in der Schweiz und unter dem Zweiten Weltkrieg und der Judenverfolgung. Wir begleiten beim Lesen einen Jugendlichen, der eine Lehre als kaufmännischer Angestellter in einem Herrenbekleidungsgeschäft beginnt, weil seine Eltern nicht die Mittel haben, für eine höhere Ausbildung des Sohnes aufzukommen. Vier kurze Monate nur dauert diese Lehrzeit, eine Zeit, in der der junge Pinkas Braun schnell wahrnimmt, wie er als Lehrling ausgenutzt wird. Eine so starke Faszination übt das Theater auf ihn aus, dass er sich für Engagements als Statist am Schauspielhaus entschliesst, vor dem Besuch der Schauspielschule, für den er noch zu jung ist, einen Landdienst in den Schweizer Bergen antritt, dann eine landwirtschaftliche Ausbildung im Rahmen der zionistischen Bewegung im Kanton Waadt absolviert, um anschliessend endlich die heiss ersehnte Ausbildung als Schauspieler zu beginnen. Pinkas Braun weiss, wie man erzählt, wie man Spannungsbögen aufbaut. Er hat ein Buch geschrieben, in dem die Stadt Zürich der 40er Jahre vorkommt. Er nimmt seine Leser auf Stadtwanderungen mit, bei denen vertraute und längst vergessene Orte dieser Stadt vorkommen: das Kino Urban, das Café Java begegnen uns in diesem Buch ebenso wie das vegetarische Restaurant Hiltl, die Bäckerei am Sonnegg, das Odeon, das damals noch zu Recht Grand Café Odeon hiess. Wir lernen Jazzklubs kennen, solche, in denen man Langspiel-Schallplatten hört und solche, in denen man den Musikern beim Spielen zuschaut. Pinkas Brauns Buch öffnet ein Fenster zum Leben eines Jugendlichen und eines Juden in Zürich der 40er Jahre, mehr als zum Werdegang eines Schauspielers und Regisseurs sowie des langjährigen Übersetzers der Stücke von Edward Albee, der er war. Das Augenmerk des Erzählers richtet sich mehrheitlich auf die Jahre vor dem eigentlichen Spiel. «Vorspiel» heisst das Buch, dem durchaus ein zweites folgen dürfte, in dem wir noch mehr über die zahllosen Auftritte des Schauspielers erfahren könnten. Denn immerhin ist Pinkas Braun in mehr als 120 Fernsehfilmen aufgetreten. Und zahlreich sind die Kinofilme, in denen er zu sehen war.

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