Wut eines Kindes, Zorn eines Lebens
Erinnerungen

Trennlinie

18.04.2007BETTINA SPOERRI

Obwohl man es nach der Lektüre der ersten Seiten annehmen könnte, hat André Glucksmann - er feiert in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag - keine Biografie geschrieben. Glucksmann in seinem neuen Buch blickt auf das 20. Jahrhundert zurück, auf seine Kindheit als Jude im besetzten Frankreich und die Umwälzungen von 1968 und 1989, aber er richtet seinen kritischen Blick auch auf die neuesten Entwicklungen der internationalen Politik. In seinem Leben widerspiegeln sich die grossen politischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts: Im Alter von dreizehn Jahren (er gab sich als 15-Jährigen aus) trat Glucksmann der Kommunistischen Partei bei. Doch die Niederschlagung des Aufstands in Budapest macht ihn zum Antikommunisten. In der Folge schliesst er sich anderen Bewegungen an, denen er ebenso enttäuscht den Rücken kehrt (v.a. bereut er seine Begeisterung für Mao und Napoleon). Der Tonfall dieses Buches ist ein leidenschaftlicher, der Stil changiert zwischen Memoiren, politischer Analyse und Plädoyer. Und immer wieder erinnert Glucksmann an den Tschetschenienkrieg: Dieser brutale Krieg, den Europa nicht zur Kenntnis nehmen wolle, werde vielleicht zu einem zweiten Afghanistan werden, zu einer Brutstätte für Nihilisten, die ihren Zorn gegen Europa richten.

Eine Trenninie

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