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14.01.2021

Es ist eines der meistübersetzten Bücher, das zweitausendjährige chinesische Weisheitsbuch Tao Te King. Bertolt Brecht hat ihm ein Gedicht gewidmet, Philosophen und Historiker diskutieren noch immer Ursprung und Deutungen der Verse von Lao Tse. Und jetzt das: Das Tao Te King in Mundart. Funktioniert das? Balts Nill – unter anderem langjähriger Taktgeber des Duos «Stiller Has» – zweifelte stark, aber wollte es wissen. Über Wochen, Monate und Jahre entdeckte er, wie die Texte von Lao Tse in seiner Mundart-Übertragung träfer wurden, einen eigenen Sound entwickelten. Eine tiefgründige philosophische Schrift wurde Vers für Vers in einen Sprechtext verwandelt – oder gar zurückverwandelt? Gleichzeitig: So wie der chinesische Text in anderen Übersetzungen unergründlich dunkel daherkommt, zeigt er im Berndeutschen seine zweite Seite: die der scharfen Kanten. Die Mundart kann hier nichts mehr vergemütlichen, sondern macht Gedanken verbindlich, mit einem eigenen Rhythmus dahinter. Und dem Leser wird klar, dass das Tao Te King gerade so funktioniert.

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