Grossvater und die Schmuggler

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Fünf Jahre ist es her, dass das erste Kinderbuch von Per Olov Enquist auf Deutsch erschienen ist – «Grossvater und die Wölfe» ist Abenteuergeschichte, Plädoyer für den Naturschutz und liebevolles Selbstporträt des grossen Schriftstellers als alter Mann in einem. Jetzt doppelt er mit einem zweiten Abenteuer nach; wie beim ersten Mal machen sich der Grossvater und seine Enkel auf, um in einer veritablen Expedition den Dreihöhlenberg zu bezwingen. Doch diesmal sind es nicht nur Bären, Wölfe und Jäger, denen sie begegnen, sondern richtig gefährliche Gangster von der russischen Mafia. Das Buch lebt aber vor allem vom Sprachwitz des Grossvaters. Die Enkel sind jetzt älter geworden, und vor allem Marcus, dessen Dichternatur sich schon im ersten Roman manifestiert hatte, hält jetzt wacker mit, was Sprachfantasie und das Ausloten von philosophischen Aporien angeht. Gleichzeitig ist «Grossvater und die Schmuggler» ein richtiger Thriller. Dabei lässt er seine kleinen Männer zu Helden werden, die Mainstream-Pädagogen schockieren mag: Marcus, elf Jahre alt, bezieht sein Wissen aus einem Horrorfilm, streng ab sechzehn – und dieses Wissen erweist sich als äusserst nützlich. Gabriel, sieben Jahre alt, darf sogar mit einer Kalaschnikow ballern. Er ist ein richtiger Held, denn er vertreibt mit seinem beherzten Vorgehen die russischen Gangster, die den Dreihöhlenberg als Lager für Heroin nutzen wollten. Enquists Buch führt aber ganz bestimmt nicht dazu, dass kleine Jungs unbedingt «in echt» mit einer Kalaschnikow schiessen möchten – denn für Gabriel ist sein Auftritt als Clint Eastwood der schwedischen Berge kein Spass.

Eine Trenninie

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