Lee Raven

Trennlinie

Hinter dem Pseudonym Zizou Corder versteckt sich ein britisches Schreibteam, bestehend aus Mutter und Tochter. Louisa Young und ihre Tochter Isabel feierten bereits einen grossen Verkaufserfolg mit der Lionboy-Trilogie, die spannend und manchmal lustig geschrieben war, nicht mehr und nicht weniger. Was sie jedoch im neuen Roman mit dem nichtssagenden Titel „Lee Raven“ zustande bringen, lässt nicht nur Fantasy-Fans einen Freudentanz aufführen, sondern auch alle, die mit Leseförderung und Literaturvermittlung an Kinder und Jugendliche zu tun haben. Zu Wort kommen nämlich – unter anderen – die beiden, die so schwer zueinanderfinden: ein Junge und ein Buch. Nicht irgendein Buch: Das Buch der Bücher ist es, das der analphabetische Meisterdieb Lee Raven mit sicherer Hand klaut. Nach einigen Komplikationen – dazu gehören Verfolgungsjagden und Mordversuchen – findet Lee in der Londoner Kanalisation endlich Ruhe, um sich das Buch genauer anzuschauen. Er stellt fest, dass sich das Buch ständig wandelt – was zuerst als Garfield-Comic daherkam, ist plötzlich ein bibliophil anmutendes Pergamentbuch. Nur blöd, dass er es nicht lesen kann. Das Buch seinerseits ist wandelbarer, als man denkt, und beginnt, weil es nicht gelesen wird, zu erzählen. Alle Geschichten der Welt sind in ihm gespeichert, und seine eigene gehört zu den spannendsten: Es erzählt, wie es sich aus babylonischen Steintafeln in eine Papyrusrolle und dann in Pergament verwandelt hat und wie es sich jetzt auf die neue Situation in einer multimedialen Welt einstellen muss – und kann. Die Autorinnen finden in dem sprechenden Buch eine wunderbare Metapher für die Überlebensfähigkeit des Erzählens, das sich immer wieder neue Medien und Kanäle sucht, um zu den Menschen zu gelangen. Und gleichzeitig wecken sie das Interesse der junge LeserInnen für die abenteuerliche Geschichte der Schrift und des Lesens.

Eine Trenninie

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