Denn die Seele ist in deiner Hand

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08.08.2003BETTINA SPOERRI

Adoptierte Jemenitenkinder Der neue Krimi von Batya Gur ist ein dicker Wälzer; überhaupt werden die Krimis der seit Jahrzehnten auch in Europa bekannten israelischen Schriftstellerin zunehmend dicker – und vielschichtiger. Und wie noch nie in einem ihrer Inspektor-Ochajon-Geschichten ist «Denn die Seele ist in deiner Hand» (der unpathetische Originaltitel «Mord an der Bethlemer Landstrasse» (2001) geht mehr zur Sache ...) fliesst die aktuelle politische Situation und die Geschichte vom Aufbau des Staates Israel in den Fall ein, den der intellektuelle und sympathische Kriminalbeamte zu lösen hat. Ausgehend von einem Mord an einer jungen Frau, entwickelt Batya Gur in kunstvoll verflochtenen Handlungssträngen eine komplexe Suche – nicht nur nach dem Täter, sondern auch nach einem dunklen Kapitel der Geschichte des Staates Israels, dessen psychologische Spätfolgen zu einer Explosion von Gewalt geführt haben: der Raub und die Zwangsadoption von jemenitischen Kindern. Im Zentrum der Geschichte, so viel sei noch verraten, stehen zwei verfeindete Familien, eine aschkenasische und eine orientalische, die sich ein gemeinsames Haus teilen müssen; Batya Gur findet nicht nur hier ein prägnantes Bild für die Ursache sozialer und politischer Spannungen in Israel – die allerdings nur eine von vielen ist.

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