Als der Mond vom Himmel fiel

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19.05.2008BETTINA SPOERRI

Anja Jardines Geschichten in dem Band «Als der Mond vom Himmel fiel» erzählen von Um- und Einbrüchen, wenn Selbstverständlichkeiten wegfallen und Menschen an ihre Grenzen geraten. Dabei findet diese Autorin für ihre ganz unterschiedlichen Figuren und Situationen mit ihrer präzisen und subtilen Sprache immer wieder die richtige Nähe oder Distanz. Anja Jardine weiss auch eine Geschichte um einen bosnischen Rückkehrer ins ehemalige Jugoslawien so zu erzählen, dass keine falschen Töne anklingen. Die Autorin, die 1967 in Norddeutschland geboren wurde und heute in Zürich wohnt, hat eine Sprache für das Unausgesprochene zwischen Menschen, für Stimmungen und Gefühle, wenn sie erst noch vage Ahnungen sind. Die Welten, in die ihre Geschichten eintauchen, sind äusserst vielfältig: Sie reichen von den Verhältnissen auf einer Apfelplantage über das quälend unverbindliche Jetset-Leben einer Journalistin bis zu einem doppelten Todestrip in den hohen Norden. Beziehungslosigkeit, Melancholie und Einsamkeit bestimmen die Leben von Anja Jardines Figuren. Und nicht wenige sind von Todessehnsucht getrieben. Doch in ihren Bann schlagen die Geschichten, weil sie diese menschlichen Grenzerfahrungen mit einem immer wieder traumwandlerisch sicheren Sprachgefühl ausloten.

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