Ciao amore, ciao

Trennlinie

24.03.2004BETTINA SPOERRI

Der Selbstmord von Sanremo Die Biografien und die Begegnung der in Ägypten aufgewachsenen italienischen Sängerin Dalida und des Cantautore Luigi Tenco dienen Franco Supino in seinem neuen Buch als Grundlage für eine Prosaerzählung, die er mit fiktiven Begebenheiten ausbaut. Wie seine reale Vorlage nimmt sich der Romanprotagonist Luigi Mai 1967 am Schlagerfestival von Sanremo aus Protest das Leben, nachdem sein politisches Lied trotz der Interpretation durch die renommierte Schlagersängerin Iolanda (alias Dalida) auf dem letzten Platz landet. Die fiktive Annäherung an den historischen Skandal konterkariert der Solothurner Autor durch eine zweite Erzählebene, in der ein Ich-Erzähler seine harzigen Recherchen in Ägypten und Italien schildert. So werden die Schauplätze der Romanhandlung auch aus einer zeitlichen Distanz beleuchtet, was der Geschichte einen melancholischen Unterton verleiht, denn heute gibt es nur noch spärliche Zeugnisse der damaligen (Liebes-)Geschichte. Wir erfahren in dem Buch manches über die Gepflogenheiten der Musik-Branche in den 50er/60er Jahren in Italien und ein wenig auch über die Voraussetzungen des heutigen Berlusconi-Italien. Doch leider gewinnen die Romanfiguren trotz des interessanten Stoffes keine wirklich lebendigen Konturen; streckenweise fehlt dem Text die dramaturgische Kraft. Hingegen berührt die Stelle, in welcher der Ich-Erzähler selbst in den Fokus der Geschichte rutscht und seine Eltern zu ihren Erinnerungen an das Jahr 1967 befragt.

Eine Trenninie

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