Das Glück in glücksfernen Zeiten

Trennlinie

03.02.2009BETTINA SPOERRI

Gerhard Warlich ist Chef einer Wäscherei, aber eigentlich verbringt er seine Tage damit, kleine bemerkenswerte Beobachtungen anzustellen und ab und zu eine Utopie auszuhecken. Mit seiner Freundin Traudel führt er eine ruhige und heitere Beziehung. Doch wenn er sich vorstellt, vielleicht bald einmal Vater zu werden, bricht Gerhard Warlich in Panik aus. Denn er ist der festen Überzeugung, dass es das Kinderkriegen war, das seine Eltern unglücklich gemacht hat. Aus Angst vor einer solchen Veränderung verwickelt sich Wilhelm Genazinos neuester Protagonist immer mehr in gedankliche Vorwegnahmen möglicher Zukunftsbilder – und verpasst dabei beinahe das Glück in der Gegenwart. Gerhard Warlich ist einer jener nachdenklichen und zögerlichen Genazino-Figuren, die nicht umhin können, sich in tragische und zugleich immer auch ein wenig lächerliche Situationen hinein zu manövrieren. Dabei stellen sie aber stets auf subtile und treffsichere Weise die Fragilität von Lebensverhältnissen und vor allem von – vermeintlichen – Selbstverständlichkeiten heraus.

Eine Trenninie

Alle Buchtipps in der Kategorie: Romane & Erzählungen