Der Schreibtisch am Fenster

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Die Rache des Ghostwriters

10.03.2006BETTINA SPOERRI

Wie fühlt sich ein Schriftsteller, der zeitlebens auf einen der hintersten Plätze im Verlagsprogramm verbannt bleibt? Und was würde ein solcher Verkannter tun, wenn plötzlich ein überheblicher Koryphäen-Kollege in seiner Hand wäre und er zugleich auch noch seinem Verleger ein Schnippchen schlagen könnte? In Peter Zeindlers «Der Schreibtisch am Fenster» erhält Jakob Solbach seine Gelegenheit zur Rache, als der Starautor des Verlags, Armin W. Loidl, in eine Schreibkrise rutscht und sich in seiner Verzweiflung nicht anders zu helfen weiss, als die Schreibkünste seines Kollegen Solbach in Dienst zu nehmen. Dem Ghostwriter geht die Arbeit zuerst leicht von der Hand. Seine Hauptfiguren: ein verzweifelter Starautor, ein Verleger und seine Geliebte. Doch Intrigen werden auch von anderen ausgeheckt. Mit von der Partie eine machtbewusste Frau, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, um die Leitung des Verlags zu übernehmen. Fiktion und Realität holen sich gegenseitig ein – nicht ungefährlich, wenn Solbach erwägt, das Ende des Romans mit einem Mord abzurunden … Seine bitterböse Satire über den Literaturbetrieb situiert Zeindler in München, doch manchmal fühlt man sich sehr an die Turbulenzen in einem renommierten Verlag am Main erinnert. Dieses pfiffig erzählte Buch ist ein kurzweiliges Lesevergnügen, in dem man nebenbei auch noch sehr viel über das Verhältnis von Fakten und Fiktion erfährt.

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