Die Analphabetin

Trennlinie

09.08.2005

Zu ihrem 70. Geburtstag hat Agota Kristof ein schmales, feines Buch geschrieben: eine autobiografische Erzählung in 11 Kapiteln. Ein ganzes Leben hat in 75 Seiten nicht Platz, aber einzelne Episoden und Gedanken, Sätze, die mich zum Nachdenken anregen und mir nachgehen. Die Eckdaten: eine glückliche Kindheit in Ungarn, das karge Internatsleben, ihre Flucht, einundzwanzigjährig, mit Ehemann und Töchterchen, der mühsame Aufbau eines neuen Alltags in einem fremden, ihnen als Flüchtlinge zugewiesenen und nicht erwählten Land, der Schweiz. Ein von der Politik stark geprägtes Leben. Wie ein roter Faden taucht die Sprache immer wieder auf – das frühe Lesen in der Kindheit, die in der Schule erzwungene Umstellung ins Russische, der Verlust ihrer Muttersprache auf der Flucht und das Erlernen des Französischen, der Sprache, in der sie ihr Bücher schreibt. Diese elf Kapitel haben mich gluschtig gemacht, endlich mehr von Agota Kristof zu lesen, welche immer noch in Neuchâtel lebt.

Eine Trenninie

Alle Buchtipps in der Kategorie: Romane & Erzählungen