Die Demütigung

Trennlinie

30.03.2010

Für Simon Axler geht es bergab. Mit sechzig hat er, einer der besten Theaterschauspieler, alles Selbstvertrauen verloren. Als er auch noch von seiner Frau verlassen wird, kehrt er der Bühne endgültig den Rücken zu und beginnt eine scheinbar unmögliche Beziehung mit der lesbischen Tochter eines Jugendfreundes. Doch was zunächst wie ein belebender Trost aussieht, erweist sich als Flucht vor der Wirklichkeit. Philip Roth erzählt in seinem Roman mit unverwechselbarer Eindringlichkeit und Ironie vom Schicksal eines alternden Schauspielers. Auf Simons Reise ans Ende der Nacht entblößt der in den USA lebende Autor gnadenlos alle menschlichen Täuschungen – Liebe und Macht, Leidenschaft und Prestige. Roth sondiert seit Jahren den zusehends versteppten Lebensabschnitt, der vor einem liegt, wenn man sich dem Tod nähert. «Jedermann» und «Exit Ghost» waren Glanzstücke in der Perlenkette seiner Romane. «Die Demütigung» ist ein kleineres Buch, eher eine Novelle. Sie lebt von der radikalen Konsequenz ihrer Konstruktion wie von der ebenso radikalen (aber nutzlosen) Klarsicht ihres Helden.
Martin Ebel, Tages-Anzeiger, 12.03.2010

Eine Trenninie

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