Die Habenichtse

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Isabelle, eine Grafikerin und Kinderbuchillustratorin, und Jakob, Rechtsanwalt, sind zwei Mittdreissiger. Begegnet sind sie sich an einer Party am Abend des 11. September 2001, am Tag zuvor hatte Jakob noch geschäftlich in den Twin Towers in New York zu tun. Die beiden ziehen wegen Jakobs Arbeit von Berlin nach London, wo sie ein geräumiges Haus an der ‹Lady Margaret Road› bewohnen. Jakob tritt in der City eine Stelle in einer Anwaltskanzlei an, die eigentlich für einen Kollegen vorgesehen war, der bei den Anschlägen auf das World Trade Center umgekommen ist. Jakob arbeitet hier als Anwalt für Restitutionsfragen, seine Klienten versuchen Liegenschaften im Osten des wiedervereinigten Deutschland zurück zu bekommen, die ihren Vorfahren gehört haben. Die Arbeit füllt Jakob und Isabelle aus. Die beiden haben alles, was ein junges, erfolgreiches Paar braucht – und stehen doch mit leeren Händen da. Doch Jakob entwickelt eine Schwäche für seinen Chef, einem älteren, jüdischen Emigranten aus Deutschland. Isabelle verfällt Jim, einem junge Drogendealer. Isabelle und Jakob richten sich ausgerechnet im «unstandesgemäßen» Londoner Norden ein – in Nachbarschaft mit Junkies, Dealern, brutalen Gangs und prügelnden Nachbarn, den wahren Habenichtsen. Im Nachbarhaus, das von einem drogenabhängigen Paar und dessen beiden Kindern bewohnt wird, ist Gewalt keine Seltenheit, hier verwahrlost Tochter Sara, die Isabelle vom Atelierfenster aus beobachten kann. Isabelle und Jakob leben ein Leben, in dem Konflikte gemieden werden, das Emotionale holen sie im Kontakt mit Anderen nach. Ein Roman im Schatten des Irakkrieges, der deutschen Wiedervereinigung sowie der Aufarbeitung des Holocausts, in dem Londoner Strassenszenen, Kneipen und die Untergrundbahn recht intensiv vorkommen. Ein dichtes Leseerlebnis mit Sätzen, die einem im Staccato-Rhythmus den Atem rauben.

Eine Trenninie

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