Divisadero

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21.09.2007BETTINA SPOERRI

Viele Figuren in Michael Ondaatjes Büchern sind Falschspieler, obsessive Musiker, Revolverhelden, sie leben auf volles Risiko, verausgaben sich, verlieren sich, manchmal im Alkohol oder im Wahnsinn. Sie sind Nomaden in der Art und Weise, wie sie ihr Leben leben, ihre Herkunft liegt oft im Dunkeln, ihre Identitäten sind starken Veränderungen unterworfen, und selbst die Umrisse ihrer Persönlichkeiten lösen sich bisweilen auf, verschmelzen mit derer anderer Figuren, deren Lebenswege sie teilen oder kreuzen. So ist es mit Anna, Claire und Coop, den Hauptfiguren in Ondaatjes neuem Buch «Divisadero», in dem der kanadische Autor mit tamilisch-singhalesisch-holländischen Wurzeln einmal mehr die konventionellen Muster von Chronologie und Kohärenz aufsprengt. In einer abgelegenen Gegend in Kalifornien lebt eine Rumpffamilie: Vater, Ziehsohn, Tochter und Adoptivtochter. Als zwischen Anna und Coop eine Liebesbeziehung entsteht und der Vater die beiden entdeckt, zersplittert die Lebensgemeinschaft. Während Coop zum Spieler wird, studiert Anna französische Literatur, widmet sich in Frankreich den biografischen Spuren eines (fiktiven) Schriftstellers und nähert sich, nach Jahren erst und zaghaft, an einen anderen Mann an. Coop seinerseits begegnet Claire, die ihm das Leben rettet. «Divisadero» ist ein rätselhafter Text, voll von Spiegelfiguren und Motivvariationen, faszinierend in der atmosphärisch dichten Sprache Ondaatjes.

Eine Trenninie

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