Durch den Wind

Trennlinie

11.05.2010

Das Karussell auf dem Cover verrät schon den Grundton dieses wunderbar leichten und doch raffinierten Buches von Annika Reich. Hier geht es ums «Abheben» in dem Moment, wenn das Leben eine neue Richtung bekommt. Die Sehnsucht danach eint vier Frauen, Freundinnen, Mitte Dreissig, die in Berlin wohnen. Jede durchbricht die Stagnation in ihrem Leben anders und betritt neue «Räume». Die erfolgreiche Architektin, die ungeliebte Schöne, die unsichere Künstlerin, die kluge Ladenbesitzerin, die der Literatur mehr traut, als der Wirklichkeit. Mit viel Gespür für Atmosphäre führt Annika Reich ihren Reigen vor. «Wann geht das Leben endlich los?» steht ihren Frauen auf die Stirn geschrieben. Unendliche Freiheit heisst nicht immer Glücksgefühle ohne Ende. Bringt die Verantwortung für einen Menschen oder den Beruf zu viele Opfer mit sich? Ein Thema, das nicht typisch weiblich ist. «Jede Entscheidung», sagt Friederike aus dem Buch, «macht Räume zu, und wenn man sich nicht entscheidet, dreht man sich im Kreis.» Bis nach Tokio reisen zwei der Frauen, um jede für sich «abzuheben». Friederike reicht der Kreisverkehr am Straussberger Platz in Berlin, um die Spur zu wechseln. Vielleicht hat ihr ja das viele Lesen etwas genutzt. «Durch den Wind zu sein» wird in diesem Roman zum Wendeerlebnis. Und nicht nur Mitte Dreissigjährige suchen neue Wege. «Ich glaube», so Annika Reich, «dass dieses antreibende Moment, dem Leben nahe zu kommen, nicht aufhört.»

Eine Trenninie

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