Ehrensachen

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29.05.2007BETTINA SPOERRI

In seinem neuen, gesellschaftskritischen Roman «Ehrensachen» («Matters of Honor», 2007) schildert Louis Begley anhand der fiktiven Lebensläufe einiger Amerikaner von den 50er Jahren bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts die unbarmherzigen ungeschriebenen Gesetze, nach denen sich die «Jeunesse dorée» von den Aufsteigern der Mittelschicht abgrenzt und die später die sozialen und beruflichen Spielregeln weiter massgeblich bestimmen. Im Zentrum des Textes stehen die drei ungleichen jungen Männer Archie, Henry und Sam; aus den zusammengewürfelten Wohnpartnern im Harvard-Studentenheim werden Freunde. Da sie keine Upper-Class-Sprösslinge sind, erfahren sie aber dezidierte Ausgrenzungen. Chronist ihrer Lernprozesse, Liebschaften, beruflichen Erfolge und persönlichen Krisen ist der zurückhaltende Ich-Erzähler Sam Standish, der Schriftsteller wird. In der Welt der Mehrbesseren mit ihren Ressentiments ist es besonders für Henry White alias Henryk Weiss, den Sohn polnischer Juden, der – wie Louis Begley (alias Ludwik Begleiter) selbst – den Zweiten Weltkrieg in einem Versteck in Polen überlebt hat, schwierig, sich entgegen der vielfältigen Widerstände zu entwickeln. Während Archie Palmer ein rasantes Leben führt und früh tödlich mit dem Auto verunglückt, fühlt sich Henry in der gehobenen Gesellschaft als Fremdkörper. Er verliebt sich unglücklich in die junge Margot aus gutem Haus, und er beginnt ein Jura-Studium, weil er hier weniger nach seiner Herkunft beurteilt wird. Seine enormen Anpassungsanstrengungen machen Henry den Weg frei für eine Karriere als erfolgreicher Anwalt in einer noblen Kanzlei – doch für all das zahlt er einen hohen Preis.

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