Eine Art Liebe

Trennlinie

16.02.2004BETTINA SPOERRI

«Ich schenke dir diese Geschichte, schreib du sie auf», sagt der israelische Rechtsanwalt Moshe Fein der jungen Deutschen Sophie, und er beginnt ihr aus seinem Leben zu erzählen. Wo seine Erinnerung nicht ausreiche, sagt er ihr, solle sie die Wahrheit wenigstens «glaubhaft erfinden». Allerdings ist er nicht immer ein williger Erzähler. Immer mehr gerät Sophie, die (wie auch Katharina Hacker) eigentlich nach Israel gekommen war, um Hebräisch zu studieren, in den Sog der Geschichte Moshe Feins, die eng verknüpft ist mit der Lebensgeschichte des Franzosen Jean. Kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs konnte das jüdische Kind Moshe in Frankreich dem Abtransport in ein Nazi-Lager entgehen, indem es sich in einer Klosterschule versteckte und eine falsche Identität annahm. Von einem christlichen Jungen erhält er dessen Namen: Jean. Zwischen dem richtigen und dem «falschen» Jean entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft – die erst Jahrzehnte später, in der Gegenwart des Romans Ende des 20. Jahrhunderts, eine tragische Wende nimmt. Katharina Hacker lässt Sophie wie eine Chronistin Schritt für Schritt die Beziehung zwischen dem Christen und dem Juden entdecken und rekonstruieren. Gewidmet ist das Buch Saul Friedländer, den Katharina Hacker in Israel kennen gelernt hat und dessen Biografie derjenigen Moshes sehr ähnelt. Leider etwas seltsam nebulös und unreflektiert bleibt neben der durchaus sensibel erzählten Freundschaftsgeschichte die Motivation der deutschen Protagonistin (wie auch der Autorin), dieser Geschichte nachzugehen.

Eine Trenninie

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