Eine Frau flieht vor einer Nachricht

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04.12.2009BETTINA SPOERRI

Statt dass er nach seiner Entlassung aus dem obligatorischen Wehrdienst, nach langen drei Jahren, mit ihr in Galiläa wandern kommt, meldet sich der junge Ofer freiwillig für einen militärischen Einsatz. Und seine Mutter Ora, die plötzlich das Warten nicht mehr aushält, und hofft, auf diese Weise tödliche Gefahr von ihrem Sohn fernzuhalten, reist in Begleitung eines Freundes trotzdem in den Norden des Landes. Dabei brechen alte Wunden auf, ist ihr Begleiter nämlich, so zeigt sich, der leibliche Vater von Ofer. Der israelische Schriftsteller David Grossman legt mit «Eine Frau flieht vor einer Nachricht» einen Roman vor, der tief unter die Haut geht. Die gemeinsamen Tage von Ora und Avram werden zu einer Wanderung auf dem dünnen Grat zwischen Abgrund und Hoffnung. Mit einem unheimlich feinen Sensorium für Sätze, die nah am Unsagbaren streifen, findet Grossman einen aussergewöhnlichen literarischen Ton, um die körperlichen und seelischen Versehrungen, die ein dauerhafter Krieg den Menschen einbrennt, sicht- und spürbar zu machen. Von grosser Liebe handelt dieses erschütternde und wunderbare Buch, von Grosszügigkeit und der Kraft zu verzeihen, aber auch von Verletzlichkeit und Grausamkeit.

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