Ex Libris
Bekenntnisse einer Bibliomanin

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24.09.2005

«Mein Herr, tun Sie das keinem Buch an.» Dieser Satz, geschrieben von einem Zimmermädchen, findet der Bruder der Autorin in seinem Hotelzimmer – daneben das aufgeschlagene Buch mit dem Rücken nach oben. Dies ist der Ausgangspunkt für eine Betrachtung über den Umgang mit Büchern: Für Anne Fadiman gibt es zwei Arten: die ritterliche Liebe (Zimmermädchen) und die körperliche Liebe (ihr Bruder inklusive ihrer ganzen Familie). Der körperlichen Liebe sind die Worte heilig, nicht aber Papier, Karton, Leim, Faden oder Tinte. Das ist eines der Kapitel in Anne Fadimans Buch «Ex Libris. Bekenntnisse einer Bibliomanin». In einer literaturbesessenen Familie aufgewachsen und mit einem Schriftsteller verheiratet, gibt es noch viele andere Themen rund um das Buch, welche Anne Fadiman mit viel Witz und Selbstironie beschreibt. Was zum Beispiel, wenn – nach zehn Jahren Beziehung, sechs Jahren gemeinsamer Wohnung und fünf Jahren Ehe – die beiden Bibliotheken vereint werden soll? Wessen Systematik wird übernommen? Wessen Dubletten weggegeben? Und wie fügt man später vererbte Bücher ein? Oder wie geht man mit dem unbezwingbaren Drang, Druckfehler zu korrigieren, um? Was sagt uns eine «Gebrauchsanweisung für Frauen» aus Grossmutters Zeiten heute noch? Dieses Buch ist ein Leckerbissen für alle Bücherfreunde.

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