Familientreffen

Trennlinie

12.01.2008BETTINA SPOERRI

Anne Enrights subtiler, atmosphärisch dichter und sprachlich präziser Roman «Familientreffen», ausgezeichnet mit dem Booker-Prize, erzählt eine unglückliche Familiengeschichte – und zugleich von einem jüngeren historischen Kapitel Irlands, als die katholische Strenge noch unangefochten war. Nach dem Suizid von Liam versammelt sich die irische Familie Hegarty im Elternhaus, um Totenwache zu halten. Der Tod ihres Bruders wühlt die Erinnerungen seiner 39-jährigen Schwester Veronica auf und sie beginnt, unbequeme Fragen zu stellen, an Selbstverständlichkeiten zu zweifeln und sich Szenen aus der Geschichte der Hegartys zu imaginieren. Die Familie spendete niemandem wirkliche Geborgenheit; auf der Suche nach dem Grund für die Fremdheit schürft Veronica tief in der Familiengeschichte, bis zurück in die Jahre, als ihre Grosseltern sich kennenlernten. «Familientreffen» ist ein schonungsloses Selbstgespräch, eine intensive und aufwühlende Lektüre.

Eine Trenninie

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