Flughafenfische

Trennlinie

26.09.2009BETTINA SPOERRI

In ihrem zweiten Roman evoziert die deutsche, heute im Unterengadin wohnhafte Schriftstellerin und Literaturkritikerin Angelika Overath einen Mikrokosmos der modernen Welt. Im Transit-Bereich eines Flughafens, der sich in irgendeiner Stadt befinden könnte, treffen mehrere Menschen aufeinander – oder sie driften aneinander vorbei, unterwegs von der einen Destination auf dem Erdball zu einer anderen. Mit feinen Strichen, intensiv und zugleich detailgenau beobachtet, schildert Angelika Overath das Verhalten der Menschen in diesem seltsamen Nirgendwo. Ein älterer Biochemiker betrinkt sich im Raucher-Bereich mit Whisky und versucht zu verstehen, warum ihn seine Frau nach Jahrzehnten Ehe verlassen hat. Elis, eine Reportagefotografin, wandelt, von all ihren Reisen tief erschöpft, durch die Gänge. Inmitten des Transit-Bereichs betreut Tobias ein grosses Aquarium mit Meerfischen und beobachtet das Kommen und Gehen der Menschen um ihn herum. Und zwischen ihm und Elis bahnt sich schliesslich ein Gespräch, eine Annäherung an, aus der vielleicht mehr entstehen könnte. «Flughafenfische» zeichnet ein Bild der Unverbindlichkeiten in einer mobilen, globalisierten Gesellschaft – und natürlich spiegeln die Fische im Aquarium die Menschen, die genauso ihrem Herkunftsbiotop entfremdet sind und sich in der künstlichen neuen Welt eine Ersatzbehausung suchen. Ein kluger und zarter Roman, in einer zurückhaltenden, aber präzisen Sprache geschrieben.

Eine Trenninie

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