Hausaufgaben

Trennlinie

21.08.2004

Wie definiert sich ein «bitterböses» Buch? Nach einer Diskussion in unserer Buchhandlung wusste ich: Das neuste Buch von Jakob Arjouni ist eines. Der Deutschlehrer Joachim Linde hat nur einen Wunsch: Das verlängerte Wochenende geniessen. Da kommt ihm aber einiges dazwischen. Eine Schulstunde über das Dritte Reich, die in eine heftige Diskussion ausartet, ein empörtes Elterntelefon und eine daraus resultierende Lehrerkonferenz zur Folge hat. Das plötzliche Auftauchen des – bis anhin unbekannten Freundes – der Tochter, der ihre Sachen abholen will. Der Zug für das verlängerte Wochenende ist längst abgefahren und die Ereignisse gleiten Linde aus den Händen. Dabei möchte er nichts anderes, als dass alles in Ordnung ist – in DER Ordnung, wie er es sieht. Und da kann er ganz genau erklären, was es mit dem Selbstmordversuch der Tochter, der psychisch angeschlagenen Ehefrau, dem verklemmten Sohn und der Anschuldigung der sexuellen Belästigung an seine Adresse auf sich hat. Und er biegt und redet sich das alles so schön zurecht, dass er aus dem Schneider ist – und das Buch bitterböse macht.

Eine Trenninie

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