Heissester Sommer

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07.02.2006BETTINA SPOERRI

Die junge ungarisch-deutsche Autorin Zsuzsa Bank, die mit ihrem ersten Roman «Der Schwimmer» bekannt worden ist, zeigt mit ihrem neuen Erzählband «Heissester Sommer», dass sie auch die kürzere Prosaform stilistisch beherrscht. Die zwölf Erzählungen kreisen zudem thematisch konzentriert alle um das Thema Abschied. «Heissester Sommer» gewährt Einblicke in die Leben von Menschen, die es sich mit dem Leben nicht einfach machen und alle mit einem gewissen Hang zur Melancholie ausgestattet sind. In zwölf Variationen erzählt Zsuzsa Bank von der Fragilität menschlicher Beziehungen: Menschen – meist Freunde, die für eine bestimmte Phase ihres Lebens zusammengefunden haben – spüren, dass sie, plötzlich oder allmählich, nicht mehr dasselbe empfinden wie bisher, dass sie sich trennen werden – ja: dass sie sich innerlich längst voneinander verabschiedet haben. Zum Beispiel Carola, die bei ihrem jährlichen Besuch bei Becky deren groben Mann nicht mehr erträgt, oder Lisa, die den letzten Spuren ihrer verstorbenen Grosseltern nachgeht, oder Christiane, die jedes Jahr vor Weihnachten in ihrer Depression versinkt, während ihre Freundinnen von Jahr zu Jahr mehr Abstand von ihr nehmen. Die Erzählungen sind alle mit einem starken Gefühl für Rhythmus und Tonart geschrieben; die dichten Texte versetzen uns mitten in eine Geschichte, werden immer drängender, scheinen von den Geschichten, die sie erzählen, so bedrückt zu werden, dass sie immer wieder eine Pause einlegen und tief Luft holen müssen.

Eine Trenninie

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