Herr Adamson

Trennlinie

12.09.2009BETTINA SPOERRI

Ein wenig seltsam benimmt sich dieser Herr Adamson schon, der eines Tages in einem Garten auftaucht. Den achtjährigen Jungen, der ihm begegnet, bittet er, niemandem etwas von seiner Existenz zu erzählen. Herr Adamson verschwindet einfach in Hauswänden und scheint für andere Menschen unsichtbar und unhörbar zu sein. Aber vor allem werden mit ihm Raum und Zeit relativ. Mittlerweile 94 Jahre alt, erinnert sich der Ich-Erzähler an die denkwürdige Begegnung in seiner Kindheit mit dem unbekannten Mann, der ihn in gefährliche Situationen brachte. Der Rettung eines Koffers, der im Keller eines Abbruchhauses versteckt lag, folgte eine schreckensvolle Wanderung durchs Jenseits und schliesslich eine Reise zu den Ausgrabungsstätten des Archäologen Schliemanns in Griechenland, derweil die Eltern zu Hause bereits angstvoll auf den Heimkehrer warteten. Später bestand er Abenteuer in den USA, wobei er als begeisterter Navajo-Fan vor allem auch deren Sprache, die er sich als Kind autodidaktisch angeeignet hatte, zum ersten Mal in der Praxis erfolgreich anwenden konnte. In seinem neuen Roman sprengt Urs Widmer mit einer fantastischen Geschichte einmal mehr die Grenzen des Logisch-Realen und reflektiert mit grosser Lust am Erzählen auf unsere Sterblichkeit, den Tod – und die Stärke der Imagination.

Eine Trenninie

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