Istanbul

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06.12.2006BETTINA SPOERRI

Istanbul ist die Stadt, in welcher der neue Nobelpreisträger Orhan Pamuk geboren und aufgewachsen ist; hier lebt und schreibt er bis heute. „Istanbul“, 2003 erstmals in Türkisch erschienen, ist der Atmosphäre, den Geschichten und den Veränderungen der Stadt am Bosporus gewidmet. Bereits in den Phantasien und Tagträumen des Kindes Orhan nahm Istanbul eine zentrale Position ein, und als Jugendlicher begann sich Pamuk mit den Beschreibungen, Skizzen und Zeichnungen von Autoren und Wissenschaftlern des 19. und 20. Jahrhunderts von und über Istanbul zu beschäftigen. Diese Auseinandersetzung hat seine Selbstreflexionen, seine Sichtweise auf die Türkei und schliesslich sein Schreiben stark beeinflusst. Orhan Pamuk erlebte Istanbul in seinen jungen Jahren als eine Stadt im Umbruch: Die Paläste der osmanischen Herrscherzeit verfielen, und neben standen bereits die Ruinen der gewaltsamen Europäisierungs- und Modernisierungsmassnahmen der Republik. Die Melancholie des Verlusts, dieser charakteristische Zustand der Stadt Istanbul, hat Pamuks Erinnerungen die Farbe entzogen. Entsprechend schwarz-weiss sind die zahlreichen Bilder im Buch: Private Fotografien aus dem Fotoalbum der Pamuks, aber auch Stiche und Zeichnungen europäischer Besucher. Und es befinden sich Fotografien darunter, die Pamuk als junger Mann bei Streifzügen durch die Stadt festgehalten hat. Walter Benjamin wird nur einmal erwähnt – aber ihm verdankt dieses faszinierende Istanbul-Buch viel.

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