Junge mit kurzer Hose

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07.09.2011BETTINA SPOERRI

Ein kleines, aber sehr feines Büchlein ist „Junge mit kurzer Hose“ des Schweizer Schriftstellers Perikles Monioudis, der sich darin in seiner präzisen und feinen Sprache an die Frenesie erinnert, die er als Kindheit für den Fussball hegte – eine Leidenschaft, die im Erwachsenen keineswegs erloschen ist. Um es gleich vorwegzunehmen: Das ist unbedingt auch ein Buch für Nicht-Fussball-Fans und Frauen, die genug von den Männern haben, die in kurzen Hosen auf einem grünen Feld herumrennen. Denn Perikles Monioudis tastet sich in den kurzen Prosatexten in diesem Buch sozusagen an das Allgemein-Menschliche rund um eine Leidenschaft herum an, Witz, Selbstironie und auch Melancholie mischen sich mit sport-untypischer Zurückhaltung und nachdenklicher Analytik. Momentaufnahmen, kleine Szenen ranken sich um Ball, Schuhe, Adidas-Pullover, Trikot oder Stadion-Besuche, wobei es oft vielmehr um die Beziehung des Jungen zu seinen Eltern geht, deren Desinteresse für seine Fussballliebe, deren Sorgen, er werde sich nicht für Kunst erwärmen – und deren dazu völlig im Widerspruch stehenden Warnungen vor Künstlern. Zwischen denen und den Fussballspielern sah das heranwachsende Kind indes fürs erste nur eine Gemeinsamkeit: die geflissentliche Zerstörung ihres eigenen Körpers. Doch dann wird gerade die Mutter sehr krank. In der poetischen Auseinandersetzung mit der Erinnerung an eine Zeit voller Verzauberungen und Begeisterungen, schmerzhaften Erlebnissen und tiefen Einschnitten hat Perikles Monioudis mit diesen locker aneinandergereihten, assoziativ verwobenen Texten ein zartes, berührendes und zugleich wortgewaltiges Buch geschaffen.

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