Mehr Meer

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21.11.2009BETTINA SPOERRI

Sie ist eine genaue, aufmerksame Beobachterin, die Schriftstellerin, Ubersetzerin und Publizistin Ilma Rakusa, und sie hat ein feines Gespür für die besonderen, hybriden Gebiete rund um Grenzen – seien es Sprach- oder Landesgrenzen. 1946 in der Slowakei geboren, hat sie unter anderem in Triest, Ljubljana und Budapest gelebt und Russland oder etwa auch Litauen bereist: Erfahrungen, die sie in ihren Gedichten und Poetikvorlesungen in ihre atmosphärisch dichte und gleichzeitig so präzise Sprache übersetzt hat. In ihrem neuen Buch «Mehr Meer», für das sie mit dem Schweizer Buchpreis 2009 ausgezeichnet worden ist, vertieft sie zentrale Motive ihres Schreibens, lauscht in ihre Kindheitserinnerungen hinein und evoziert die Bilder, Klänge und Stimmungen, die ihr Schreiben und Lesen geprägt haben. Aus über sechzig Prosa-Impressionen, Erinnerungen und Szenen entsteht ein vielschichtig gewobener, faszinierender und berührender, Text über die Existenz in und zwischen verschiedenen Kulturen. «Der Mensch grenzt ans Meer» zitiert Ilma Rakusa eine Zeile von Jelena Schwarz sozusagen als Motto ihres Buches – und ebenso grenzen ihre Texte ans Meer, entworfen auf einem fragilen, aber umso kostbareren Küstenstreifen und stets mit Blick in die Weite.

Eine Trenninie

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