Meine Väter

Trennlinie

08.08.2003BETTINA SPOERRI

Suche nach der Identität Da macht sich einer auf, seinen richtigen Vater zu suchen – eine schwierige Reise zu den eigenen Wurzeln, die im Erwachsenenalter von vierzig Jahren umso schmerzhafter sein muss. Beinahe so lange hatte Martin R. Deans Romanprotagonist Robert keinen Kontakt zu seinem leiblichen «Erzeuger» – so nennt er ihn, wenn er hilflos Distanz sucht. Mittlerweile selbst Vater geworden (wie auch Autor Dean), fragt Robert zielgerichteter nach seiner Herkunft und will seinen verschollenen Vater finden. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten gibt es denn auch eine heisse Spur: Vater Ray, der wie der Stiefvater Roberts von den Insel Trinidad stammt, soll in London sein. Mit dem Flug in die englische Hauptstadt beginnt ein Trip, der Robert in eine tiefe Krise wirft, denn nichts ist so, wie er es sich erwartet hat: Der Vater ist verstummt. Die Wiederbegegnung mit dem Vater klärt keine Fragen, sondern gibt dem Sohn weitere Rätsel auf, die Robert zuerst wieder in die Schweiz, dann schliesslich nach Trinidad führen. – «Meine Väter» ist die spannende und bewegende Erzählung einer – mit den Worten des Autors selbst – «Selbstkomplettierung», die durchaus mit autobiografischen Anleihen durchsetzt ist. Identität, so zeigt dieser vielschichtige, eindringliche Roman, kann man nicht besitzen und festschreiben, sondern immer nur wieder neu erforschen und – erfinden.

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