Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran

Trennlinie

06.05.2003CORNELIA SCHWEIZER

Eine Parabel über Toleranz, Weisheit, Fatalismus und Herzensgüte und über eine ungewöhnliche Freundschaft. Gar nicht schlecht, einen erwachsenen Freund zu haben, der einem mit Rat und Tat zur Seite steht, wenn die Dinge im Leben nicht so laufen, wie man sich das vorstellt. Und noch dazu, wenn er Araber ist und wie Monsieur Ibrahim, der Kolonialwarenhändler in der Rue Bleue, zu jeder Lebenslage etwas Passendes aus dem Koran zu finden weiss. Der zwölfjährige Moses lernt schnell, dass «Araber» sein keineswegs allein mit der Herkunft zu tun hat. Es bedeutet in der Branche nicht weiter als: nachts und auch am Sonntag geöffnet. Und er weiss, auf Monsieur Ibrahim, der Tag für Tag unverrückbar in seinem Laden sitzt, ist Verlass, denn er kennt die Geheimnisse des Glücks und des Lächelns. Das hilft selbst in den aussichtslosesten Situationen: Im Männerhaushalt mit dem schwermütigen Vater wie bei den Mädchen in der Rue de Paradis, beim Konservenklau wie beim Fahren ohne Führerschein. Aber nie sind die Dinge bloss so, wie sie scheinen: Monsieur Ibrahim, der Krämer, ist kein Araber, genauso- wenig wie die Rue Bleue blau ist. Ein wunderbares Buch für eine abendliche Lesestunde.

Eine Trenninie

Alle Buchtipps in der Kategorie: Romane & Erzählungen