Sieben Jahre

Trennlinie

30.08.2009

Das ist schon ein wahrer Zauberwürfel, den Peter Stamm einem mit seinem neuen Roman «Sieben Jahre» in die Hand gibt. Die Farbe der Sprache ist klar und deutlich. Pastelltöne gibt es nicht. Auch die Figurenkonstellation scheint eindeutig: die schöne und gescheite Frau, der triebgesteuerte Mann und die naive Geliebte. Der Mann lebt in zwei Welten. Neugierig liest man sich in raschen Zügen durch die Geschichte. Doch dann kommt man ins Grübeln. Wer ist das Opfer? Ist überhaupt der Mann, aus dessen Perspektive erzählt wird, die Hauptperson? Oder ist es die seltsame Geliebte, die so vieles demütig erträgt, weil sie den Mann aufrichtig liebt? Glaubt man dem Satz: «Du bist, was du liebst, nicht wer dich liebt» könnte sie sogar die Gewinnerin sein. In ihrer Nähe empfindet der Mann eine «Mischung aus Angst und Befreiung». Seine künstlerische Kraft, er ist Architekt, lodert nach der intensiven körperlichen Begegnung mit ihr auf. Die Sachlichkeit und scheinbare Überlegenheit seiner Frau, die ebenfalls Architektin ist, engt ihn dagegen ein. Sie verfolgt ihr gemeinsames Leben wie ein Hausbau, der in rationalen Schritten zu erarbeiten ist. Doch dann kommt alles ins Schlingern. Die verschiedenen Welten geraten, wie beim Zauberwürfel die Farben, plötzlich bedrohlich durcheinander. Oder mit den Worten Peter Stamms gesagt: «In jedem Zimmer gibt es einen Abgrund.» Peter Stamm ist mit «Sieben Jahre» ein vielschichtiger Roman mit Tiefenwirkung gelungen, in dem man sich, bei aller Fremdheit, wiederfinden kann.

Eine Trenninie

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