Siebzehn Dinge
Biografie

Trennlinie

29.09.2006

Eleonore Frey ist eine der diskretesten und erstaunlichsten Autorinnen der Schweizer Gegenwartsliteratur. Unaufgeregt und konzentriert, mit insistierendem Ernst und subkutaner Heiterkeit treibt sie ihr erzählerisches Werk voran. Ihr Ton ist unverkennbar, doch die Lebenswelten wechseln: Ging es in «Haus der Ruhe» (2004), dem siebten Buch der Autorin für den österreichischen Droschl-Verlag, um eine Ich-Erzählerin, die sich in einem Altersheim dem eigenwilligen Geschiebe ihrer Wahrnehmung und Erinnerung ergibt, so versetzt sich Eleonore Frey diesmal in ein siebzehnjähriges Mädchen namens Nina, das noch gar nicht weiss, wohin es mit sich soll. Siebzehn Dinge finden sich in seinem Rucksack: Notizbuch, Lippenstift, Schlüssel, Stofftier, Uhr, was man halt im Backfisch-Gepäck so findet. Anhand dieser Accessoires und mit dem Walkman als Leitmotiv erschliesst sich uns Ninas Geschichte bis zu einem Motorradunfall, den das Mädchen als Beifahrerin nur knapp überlebt. – Eleonore Frey schreibt präzis, mit rhythmischer Souplesse, hellem Verstand und herbem melodischem Zauber. Jeder Satz verweist auf ein Hinterland der Reflexion. Die Konstruktion des Textes ist so raffiniert wie sinnfällig. Ein stilles Buch, aber doch ein spannendes: Denn erst nach und nach merkt der Leser, wer eigentlich erzählt – und warum.

Eine Trenninie

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