Tells Tochter
Julie Bondeli und die Zeit der Freiheit

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17.08.2004BETTINA SPOERRI

Bewundert und beneidet Eveline Hasler hat in ihrem neuen Buch einmal mehr ein interessantes historisches Frauenleben zu einem literarischen Leben erweckt, das weitgehend unbekannt ist und stellvertretend für verwandte Schicksale stehen kann. Die Bernerin Julie Bondeli, die im 18. Jahrhundert als Zeitgenossin von Rousseau, Voltaire, Wieland und Haller lebte, hatte das Privileg, schon früh durch einen privaten Lehrer unterrichtet zu werden. Die femme de lettres mit ihrem grossen Wissen und ihrem Intellekt, um die sich ein literarischer Salon bildete, weckte sowohl die Bewunderung als auch Neid und Unverständnis. Eveline Hasler hat für diese Geschichte in mehreren Archiven recherchiert, um die Lebensbedingungen einer Frau zu rekonstruieren, die Kontakt mit Albrecht von Haller und Jean-Jacques Rousseau hatte, eine unglückliche Liebesbeziehung mit Christoph Martin Wieland einging und einen Briefwechsel mit Sophie La Roche unterhielt. Es ist Eveline Hasler gelungen, die Lebensdaten der mit 47 Jahren an Schwindsucht verstorbenen Intellektuellen aus Bern und die zeitgenössischen Diskussionen um den Wert von Freiheit und Ursprünglichkeit in anschauliche, lebendige Szenen umzusetzen.

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