Vertrauen ist gut

Trennlinie

10.03.2009

Ein Mann im Rollstuhl blickt aus dem Fenster. Was er im Haus gegenüber beobachtet lässt ihn erstarren. Wird er Zeuge eines Mordes? Was ist Traum, was ist Wirklichkeit? Ähnlich wie in der bekannten Filmszene von Hitchcock, ergeht es der Hauptfigur Felix in dem psychologisch raffinierten Roman von Jürg Acklin: «Vertrauen ist gut». Felix sitzt im Rollstuhl. Seit Geburt gelähmt, ist er auf Hilfe angewiesen. Sein Bruder, ein Schriftsteller, lebt mit seiner Familie direkt neben ihm. Doch etwas scheint nicht zu stimmen. Immer öfters hört Felix von nebenan Streit und bekommt Angst. Er befürchtet, dass sein aufbrausender Bruder sie plötzlich alle verlässt. Noch mehr beunruhigt Felix der neue Roman, an dem sein Bruder gerade schreibt. Er liest ihn beim Abtippen der Manuskriptseiten. Erzählt wird darin die Geschichte eines emotional ins Schleudern geratenen Paares, das auf Kindesentführung und Mord rasant zusteuert. Wird das Erfundene schon bald zur Wirklichkeit? Verzweifelt ringt der behinderte Felix mit seiner Ohnmacht und findet eine gefährliche Lösung. Mit Spannung verfolgt der Leser die immer brisanter werdende Handlung der geschickt ineinander verwobenen Geschichten. Der Autor Jürg Acklin zeichnet unsentimental, aber berührend, die Ängste von Felix nach. Eine Sichtweise die ihm nicht ganz fremd ist, da er selbst mit seinem körperlich behinderten Bruder Tür an Tür lebt. Zudem arbeitet Acklin als Psychoanalytiker in Zürich. War es für Acklin ein Selbstexperiment, einmal die Rolle des anderen einzunehmen und seiner Phantasie freien Lauf zu lassen?

Eine Trenninie

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