Vier Häuser und eine Sehnsucht

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Wer eine neue Stimme aus Israel entdecken will, einen Schriftsteller, der sowohl die Konflikte zwischen frommen und laizistischen Israelis als auch die Situation der arabischen Bevölkerung einfühlsam in seine literarischen Texte aufnimmt, der findet eben das bei Eshkol Nevo. «Vier Häuser und eine Sehnsucht» ist ein Buch der leisen Zwischentöne. Eshkol Nevo konzentriert sein fiktives Personal auf eine Nachbarschaft in einer kleinen Ortschaft nahe Jerusalem, wo mehrere Menschen täglich in Kontakt kommen, und er erzählt konsequent vielstimmig, aus mehreren Perspektiven. Der Zeitpunkt: die Jahre nach der Ermordung an Premierminister Rabin. Als Leser fühlt und denkt man sich abwechselnd beispielsweise in eine trauernde Soldatenmutter oder den Palästinenser Saadeq ein, der das Haus seiner Eltern sucht. Man begleitet die junge Fotografin Noa bei ihrer Suche nach einem überzeugenden Projekt-Konzept. Oder man liest gemeinsam mit dem Psychologiestudent Amir die Briefe seines Freundes, der – ein typisch israelisches Phänomen – nach dem Militärdienst als Rucksacktourist monatelang Südamerika erkundet. «Vier Häuser und eine Sehnsucht» ist ein subtiles Kaleidoskop unterschiedlichster Befindlichkeiten und Lebenssituationen in Israel, dessen Stärke gerade in der genauen Zeichnung alltäglicher Details besteht.

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