Washington Square

Trennlinie

Welch’ ein Lesevergnügen! Das ist zunächst der Plot: Catherine Sloper, Tochter aus vermögendem Haus am Washington Square in New York, lernt Morris Townsend, einen stellenlosen und berechnenden jungen Mann kennenlernen, der sie heiraten will. Der Vater der Verehrten, der Arzt Dr. Austin Sloper, der von seiner Tochter nicht viel hält, weiss ganz genau, dass der Liebhaber ein Abenteurer ist, der es auf das Vermögen der jungen Frau abgesehen hat. Er droht seiner Tochter, dass eine Heirat mit dem Mitgiftjäger zu einer Änderung des Testaments zu ihren Ungunsten führen werde, was die Tochter nicht beeindruckt: Lieber keine grosse Erbschaft, dafür aber die Hochzeit mit dem attraktiv aussehenden Morris. Zwei Schwestern des Arztes mischen noch mit: Tante Livinia Penniman und Tante Elizabeth Almond. Tante Livinia möchte, dass das junge Paar heiratet. Ohne Catherine Wissen nimmt sie Kontakt auf mit Morris Townsend. Dass sie selbst in den viel jüngeren Morris verliebt ist, würde sie nie zugeben. Gerade ihre Handlungen machen die Beziehung der beiden jungen Leute noch komplizierter. Eine Bildungsreise nach Europa mit dem Vater soll die Tochter ablenken. Doch gerade die Trennung lässt Catherines Sehnsucht und Liebe noch heftiger werden. Die Rückkehr nach New York bringt eine unerwartete Wende. Henry James, grosser US-amerikanischer Autor (1843–1916), gehört zu den Klassikern der Literatur. Ein psychologisch denkender Schriftsteller, der einen allwissenden Erzähler im Roman eingebaut hat, der zwischendurch das Geschehene kommentiert. Ein Lesevergnügen nicht nur wegen der Handlung, in der das Milieu der New Yorker Bürger der 1840er Jahre geschildert wird. Bettina Blumenberg, Autorin und Übersetzerin, legt bei Manesse eine Neuübersetzung vor, die das Lesen noch genüsslicher macht. In der Wochenzeitung DIE ZEIT hiess es: «Ein Leben ohne Henry James ist möglich, aber sinnlos». Gar so drastisch muss es nicht sein. Aber wer «Washington Square» gelesen hat, bekommt Hunger nach weiteren Büchern des Autors. Bettina Blumenberg hat auch seinen Roman «Die Aspern-Schriften» übersetzt. Nichts wie auf zum nächsten Buch also!

Eine Trenninie

Alle Buchtipps in der Kategorie: Romane & Erzählungen