Wir fliegen

Trennlinie

30.05.2008BETTINA SPOERRI

In seinem dritten Erzählband, «Wir fliegen», erzählt der Schweizer Schriftsteller Peter Stamm Geschichten von Menschen, die von Sehnsüchten getrieben werden und aus ihrem bisherigen Leben ausbrechen möchten. Da ist etwa jene ältere, allein lebende Frau, die sich in ihren Nachbarn in der Wohnung über ihr verliebt und sich auf die durch die Wände dringenden Geräusche konzentriert. Oder die Witwe, die Briefe entdeckt, welche von der Untreue ihres Mannes zeugen, und die Geschichte einer Beziehung noch einmal neu definieren muss. Die Zeichnerin, die sich auf den Weg in die Kunstschule macht, aber bei einem Mann hängen bleibt, der für ihre künstlerische Interessen kein Verständnis hat. Oder auch, und das ist eine der atmosphärisch dichtesten Erzählungen in diesem Band, die Kinderbetreuerin, die ein von dessen Eltern nicht abgeholtes Kind mit nach Hause nimmt («Wir fliegen») und an diesem Abend spürt, wie sehr sie doch im falschen Leben lebt. Peter Stamm beschreibt diese sich meist im Innern der Figuren vollziehenden Veränderungen, das schmerzliche Innewerden eines Scheiterns, eines Umbruchs, einer Entfremdung in einer lakonischen, unaufdringlichen Sprache. Ob sich seine Protagonisten befreien können, lässt er dabei immer wieder auch offen – und gibt dabei viel Platz für die Fantasien seiner Leser.

Eine Trenninie

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