Die Intrige
Theorie und Praxis der Hinterlist

Trennlinie

14.02.2006BETTINA SPOERRI

Sich verstellen, lügen und betrügen: Diesen unmoralischen Tätigkeiten frönen viele Figuren in literarischen Texten. Nicht wenige werden am Ende Opfer ihrer eigenen Fallstricke. Dieses hinterlistige Treiben, auf das der Teufel als Nachäffer Gottes lange ein Vorrecht beanspruchte, bestimmt sowohl alte Mythen als auch moderne Erzählungen: Intrigenhandlungen sind ein weitverbreitetes kulturelles Erzählmuster, mit dem in Texten besonders hohe Spannung erzeugt wird. Peter von Matt unternimmt in seinem neuen Buch einen ausgedehnten Streifzug durch die Weltliteratur – von Märchen, der Bibel und dem Ilias-Epos über die elisabethanische Renaissance und die Aufklärung bis ins 20. Jahrhundert –, um die unterschiedlichen Ausformungen der Intrige darzulegen und auf ihre Funktionen hin zu untersuchen. Am Anfang steht die Not, aus der heraus eine Vision und bald ein konkreter Plan entsteht; ist das erwünschte Ziel nicht mit fairen Mitteln zu erreichen, kommt die List ins Spiel. Meistens löst aber eine Intrige eine Gegenintrige aus, die am Ende zur Entlarvung und Bestrafung des Übeltäters führt. Nach der Aufklärung sind allerdings Wahrheit und Moral immer weniger eindeutig auf einer Seite zu verorten. Peter von Matts konzentrierter Fokus erlaubt spannende Lesarten von Klassikern und weniger bekannten Theaterstücken und Romanen. Seine Darstellung mündet in ein engagiertes Plädoyer für eine moderne Literatur, die von Patricia Highsmith, Graham Greene oder John Le Carré lernen darf: Da wird lustvoll eine Gegenintrige angezettelt, welche die rigorose Trennung in U- und E-Literatur im deutschsprachigen Raum ins Visier nimmt.

Eine Trenninie

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