Diesen Krieg kann keiner gewinnen
Chronik eines angekündigten Friedens.

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12.09.2003BETTINA SPOERRI

Die gesammelten Aufsätze von David Grossman, deren Einzelpublikationen in Zeitschriften und Zeitungen einen zehnjährigen Zeitraum von September 1993 bis Mai 2003 umfassen, reagieren auf die wichtigsten und erschütterndsten Ereignisse des Konflikts zwischen Palästinensern und Israelis. Alle 37 Essays hat der israelische Schriftsteller für die Sammelausgabe noch einmal durchgesehen und mit einer Einführung versehen, welche die historische Situierung des jeweiligen Artikels zu identifizieren erlaubt. Durch die Nebeneinanderreihung der Aufsätze ist eine Art persönliche Chronik entstanden. Grossman analysiert die Stimmung in der israelischen Bevölkerung scharf, wirft unbequeme Fragen auf – und gibt trotz aller Rückschläge seine vorsichtige Hoffnung auf Frieden nicht auf. Im Vorwort reflektiert er über seine Position als Schreibender inmitten der blutigen Auseinandersetzungen: Er schreibe, weil er sich von den propagandistischen Worten der Konfliktparteien und der Angst nicht lähmen lassen wolle. Sein Kampf gegen die Ohnmacht fällt Grossman aber keineswegs leicht; immer wieder überkommt ihn ein Gefühl der Sinnlosigkeit: «Es ist schwer, jemanden mit Worten zu erreichen, wenn um einen herum Menschen in die Luft gesprengt und Kinder in Fetzen gerissen werden. In solchen Momenten würde ich lieber schreiend durch die Strassen laufen als schreiben.» Grossmans abwägende Worte mögen aber vielleicht doch Menschen erreichen, die sich wie er ernsthaft um eine Position im Nahostkonflikt – frei von Vorurteilen und Hass – bemühen.

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